Zum Jahresende möchte ich Sie mit einer düsteren Zukunftsvision entlassen. Was George Orwell in seinem Roman „1948“ im Jahre 1949 beschrieben hat, ist nicht eingetroffen. Es ist schlimmer geworden!

Worum geht es konkret? 1984, geschrieben von 1946 bis 1948 und erschienen im Juni 1949, ist ein dystopischer Roman von George Orwell (eigentlich Eric Arthur Blair), in dem ein totalitärer Überwachungsstaat im Jahr 1984 dargestellt wird. Hauptperson der Handlung ist Winston Smith, ein einfaches Mitglied der diktatorisch herrschenden, fiktiven Staatspartei Sozialistische Partei Englands. Der allgegenwärtigen Überwachung zum Trotz will Smith seine Privatsphäre sichern und etwas über die real geschehene Vergangenheit erfahren, die von der Partei durch umfangreiche Geschichtsfälschung verheimlicht wird. Dadurch gerät er mit dem System in Konflikt, das ihn gefangen nimmt, foltert und einer Gehirnwäsche unterzieht.

Nun, hört sich das für Sie an wie eine völlig an der Realität vorbeigehende Vision an? In der Tat sind Staaten heute nicht so mächtig, wie Orwell es befürchtet hat, doch sind es eben nicht totalitäre Staaten, sondern internationale Großkonzerne wie Facebook, Google und Apple, die alleine durch ihre Monopolstellung drastisch ausgedrückt, „diktatorisch“ entscheiden können. Melden Sie sich auf einer der Plattformen an, werden Sie Mitglied in einer Community, einer Community, die das schlechteste im Menschen zu Tage fördert. Denn die Algorithmen von Facebook sind danach ausgerichtet, möglichst viele Menschen anzusprechen, um passgenaue Werbung schalten zu können mit möglichst hoher Reichweite. Während Winston Smith noch in „1984“ durch seinen Teleprompter gequält wird, ohne eine Wahl zu haben, können wir, so glauben wir, uns der Herrschaft Mark Zuckerbergs dadurch entziehen, indem wir das Smartphone einfach ausschalten. Seit Edward Snowden wissen wir jedoch, dass selbst bei ausgeschaltetem Handy das Mikrophon noch mithört. Auch wir haben keine Wahl mehr, jeder Schritt, jedes Gespräch, jede intime Minute werden wir bewacht.

Hatte Steve Jobs uns nicht in seinewhite red and black wall artm Werbespot zum ersten Macintosh im Jahre 1984 nicht versprochen, dass das Jahr 1984 nicht wie „1984“ wird? Durch neue technologische Fortschritte sollten die Endnutzer dazu befähigt werden, unabhängig zu sein und totalitäre Regime hinterfragen können. Und hier kommt der springende Punkt: Durch den Fortschritt der Technik ist es Konzernen, aber auch totalitären Staaten wie Russland oder Nordkorea möglich, Menschen zu beeinflussen. Menschen sind naiv, die wenigsten hinterfragen sich und Andere und wollen sich in sozialen Gruppen vereinigen. Dies bildet den Nährboden für extremistische Gedanken und Ziele, die dadurch befeuert werden, das Algorithmen das Verhalten zunehmend steuern. Dies sahen wir bei den Umtrieben des Islamischen Staates, aber auch in einem weltweiten Rechtsruck, deutschlandweit hat sich die AfD zuerst der Möglichkeiten von Social Media zur Verfügung gemacht. Aber auch die „Proud Boys“-Bewegung in den USA, die zum Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 geführt hat und deren Akteure sich auf Facebook verabredet haben, nutzten die schädlichen Möglichkeiten sozialer Medien. Soziale Medien befeuern die negativen Eigenschaften der Menschen in so krasser Art, das es kaum noch steuerbar ist. China nutzt ganz gezielt diese Kanäle, um Propaganda auch im Westen zu verbreiten.

Und nun? Gibt es eine Möglichkeit, diese Entwicklung aufzuhalten? Ich persönlich befürchte nicht, wir müssen lernen, dass ein Medium geschaffen wurde, dass die schlechtesten Eigenschaften des Menschen spiegelt. Nur wenn es uns gelingt, dies bewusst zu machen, Gesetze zu schaffen, die regulieren und uns bemühen, allen Menschen dieser Welt eine Perspektive zu geben, werden wir nicht in eine der größten Krisen der Menschheit schlittern. Facebook hat mit seinem Metaverse jedoch eine noch digitalere, noch mehr von Algorithmen bestimmte virtuelle Welt angekündigt, Apple will mit seiner iGlass die gesamte virtuelle Welt vor unsere Augen bringen.

Erst wenn es uns gelingt, uns, als Menscheit, die Augen wirklich wieder zu öffnen, sind wir gefeit vor jeglichen äußeren Einflüssen und schrecklichen Gedanken. Ich wünsche es uns allen. Vorerst bleibt mir, Ihnen ein frohes neues Jahr 2022 zu wünschen und Ihnen Wachsamkeit und einen genauen Blick zu wünschen.

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