Inhalt in Kürze
- Ein eigener Serverraum kostet KMU in Hamburg typischerweise 25.000–80.000 € einmalig plus 6.000–18.000 € pro Jahr — ohne die anteilige Personalzeit, die oft unterschätzt wird.
- Colocation im Hamburger Rechenzentrum ab 250–600 €/Monat pro Rack — sofort Enterprise-Qualität bei Klima, Strom und Sicherheit, ohne sechsstellige Investition.
- Cloud-first lohnt sich fast immer für Unternehmen bis 30–40 Mitarbeiter und für alle standardisierbaren Workloads (E-Mail, Teams, Dateiablage, Standard-Fachsoftware).
- Die ehrliche Frage ist nicht „Cloud oder on-prem?”, sondern „welcher Workload gehört wohin?” — hybride Strategien aus Cloud + Colocation / Managed Server sind bei 50+ Mitarbeitern oft die wirtschaftlichste Lösung.
- 5-Jahres-TCO-Rechnungen für 5, 20 und 50 Server im Artikel — plus die Checkliste, die wir in jedem Erstgespräch durchgehen.
Ein Hamburger Handelsunternehmen mit 45 Mitarbeitern kam 2025 zu uns mit genau dieser Frage: „Wir brauchen einen neuen Serverraum — was soll das kosten?” Die ehrliche Antwort war unangenehm für den damaligen IT-Dienstleister: Sie brauchen keinen neuen Serverraum. Nach zwei Wochen Analyse hatten wir einen Plan, der über fünf Jahre rund 180.000 € weniger kostet als der geplante Raumausbau — bei höherer Verfügbarkeit und besserer Sicherheit. Dieser Artikel erklärt, wie wir zu solchen Zahlen kommen. Wer den klassischen Mittelweg sucht — eigene Hardware behalten, Strom/Klima/Brandschutz und 24/7-Zutritt aus dem Rechenzentrum —, findet die Details auf der LP Colocation Hamburg.
Was kostet ein eigener Serverraum?
Die kurze Antwort, die Sie vermutlich suchen: Ein professionell ausgebauter Serverraum für 20–30 Arbeitsplätze kostet in Hamburg einmalig 25.000–80.000 € plus 6.000–18.000 € laufend pro Jahr. Die Spannweite erklärt sich durch drei Faktoren: den baulichen Zustand des Raums (muss das Gebäude überhaupt Doppelboden, Brandschutzabschottung und Klima-Durchführung hergeben?), die gewünschte Redundanz (N oder N+1 bei Klima und USV) und die Anforderungen an Zutrittskontrolle und Brandfrüherkennung.
Das klingt überschaubar. Es ist es nicht — denn in fast allen KMU-Kalkulationen, die wir bei Neukunden sehen, fehlen drei Positionen: die anteilige Personalzeit, die Opportunitätskosten und die Kosten von Ausfällen. Laut Uptime Institute Global Data Center Survey kostet ein ungeplanter Ausfall in der Infrastruktur kleiner Rechenzentren im Schnitt 100.000 USD pro Stunde — in KMU-Dimensionen eher 2.000–15.000 €, aber auch das summiert sich.
Bei einer Hamburger Steuerkanzlei haben wir 2024 einen Serverraum abgelöst, der auf dem Papier nur 400 € Strom im Monat kostete. Tatsächliche Messung mit einem Schuko-Strommesser: 1.380 €. Die Klimaanlage lief seit Jahren auf 100 %, weil die Dichtungen am Raum nicht mehr gingen — unbemerkt, weil niemand die Werte überwachte. Das ist typisch. Was auf dem Papier steht und was wirklich läuft, sind oft zwei paar Schuhe.
Kosten-Komponenten: Eigener Serverraum im Detail
Wer einen eigenen Serverraum baut oder betreibt, zahlt in mindestens acht Kostenblöcken. Hier die realistischen Spannen aus unserer Hamburger Praxis — nicht die geschönten Zahlen aus Verkaufspräsentationen:
| Komponente | Einmalig | Laufend pro Jahr | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Raumausbau (Doppelboden, Brandabschottung, Kabelkanäle) | 8.000–25.000 € | — | Bei Altbau oft deutlich mehr |
| Präzisions-Klimatisierung (N) | 6.000–15.000 € | 1.200–2.500 € Wartung | N+1 ca. doppelt |
| USV-Anlage (10–30 kVA online) | 4.000–12.000 € | 400–900 € Wartung | Batterietausch alle 4–6 Jahre (2.000–5.000 €) |
| 19”-Racks + Verkabelung | 2.000–6.000 € | — | Pro Rack, inkl. Patch + PDU |
| Brandfrüherkennung / Löschanlage | 3.000–15.000 € | 800–1.500 € Prüfung | VdS-konforme Anlagen deutlich teurer |
| Zutrittskontrolle + Videoüberwachung | 2.000–8.000 € | 300–600 € | Pflicht für DSGVO + ISO 27001 |
| Stromkosten (Server + Klima) | — | 3.000–9.000 € | 28–35 ct/kWh Gewerbestrom Hamburg 2026 |
| Personalanteil IT-Admin | — | 15.000–35.000 € | 0,3–0,5 Stellen, oft unterschätzt |
Addiert: 25.000–81.000 € einmalig plus 20.700–50.000 € laufend pro Jahr (inkl. Personal). Ohne Personal: 6.200–15.000 €/Jahr. Bei ehrlicher Rechnung über 5 Jahre landen Sie im KMU-Bereich bei einem Gesamt-TCO zwischen 150.000 € und 400.000 € — und wir haben die Server-Hardware selbst (Geräte, Lizenzen, Support-Verträge) noch gar nicht eingerechnet.
Die Zahlen decken sich mit dem, was der Bitkom-Rechenzentrumsmarkt-Bericht für kleine Serverräume ausweist: Die Kosten pro kW IT-Last liegen in Eigenbetrieb rund 30–40 % höher als in professionellen Rechenzentren — allein durch die schlechtere PUE (Power Usage Effectiveness).
Colocation-Kosten im Vergleich
Colocation bedeutet: Ihr Server steht in einem professionellen Rechenzentrum in Hamburg, Frankfurt oder Berlin. Sie mieten Rack-Space, Strom, Kühlung, Brandschutz, Zutritt und Netzwerk-Anbindung. Ihre Hardware, Ihre Verantwortung für Betriebssystem und Anwendung. Was Sie sich sparen: die komplette Gebäude-Infrastruktur.
Richtpreise für Hamburg 2026:
| Konfiguration | Preis pro Monat | Enthält |
|---|---|---|
| Einzelner HE im Shared Rack | 40–90 € | Strom, Klima, 100 Mbit Redundant-Anbindung |
| 1/4 Rack (10 HE) | 150–320 € | + separater Strom-Kreis, bessere Bandbreite |
| 1/2 Rack (24 HE) | 250–500 € | + 2× 16 A Strom, 1 Gbit Anbindung |
| Volles 42 HE Rack | 450–900 € | + N+1 Strom, DDoS-Schutz, 10 Gbit möglich |
| Private Cage (2–4 Racks) | 1.200–2.800 € | + physisch abgetrennte Einheit, Biometrie |
Dazu: einmalige Einrichtungsgebühr (oft 500–1.500 €), Cross-Connect-Gebühren zu Carriern (30–80 €/Monat pro Link) und optional IP-Transit-Kosten.
Break-even-Rechnung: Ein eigener Serverraum für 20.700 €/Jahr laufend entspricht 1.725 €/Monat — das ist ungefähr ein halbes Rack im guten Hamburger Rechenzentrum plus 1 Gbit Bandbreite. Sobald Sie diese Dimension erreichen, wird Colocation wirtschaftlich — und Sie bekommen Enterprise-Redundanz, die Sie in einem selbst gebauten Raum nie erreichen.
Cloud als dritte Option
Cloud heißt in der Praxis: Microsoft 365 für E-Mail, Teams, SharePoint. Azure, AWS oder Google Cloud für Server-Workloads. Microsoft 365 Business Standard kostet 12,50 €/Monat pro Nutzer und ersetzt in 70 % der Fälle den Exchange-Server, den Dateiserver und den Terminal-Server komplett.
Für die Server-Workloads, die nicht standardisierbar sind (ERP, Fachsoftware, Warenwirtschaft), bekommen Sie in Azure oder AWS virtuelle Maschinen ab 80–200 €/Monat pro mittlerer Server — inklusive Hardware, Strom, Klima und 99,95 % SLA.
Was in die Cloud gehört:
- E-Mail, Kalender, Kontakte (Exchange Online)
- Dateiablage, Dokumentenmanagement (SharePoint, OneDrive)
- Kollaboration, Telefonie (Teams, Teams Phone)
- Standard-Anwendungen mit Cloud-Variante (DATEV-Unternehmen-Online, Sage, SAP Cloud)
- Web-Anwendungen, Entwickler-Umgebungen, Testsysteme
Was eher nicht in die Public Cloud gehört:
- Anwendungen mit harter Latenz-Anforderung (Maschinensteuerung, Videoschnitt von lokalen NAS)
- Legacy-Software ohne Cloud-Support
- Workloads mit speziellen Compliance-Anforderungen, die Datenhoheit fordern
Eine strukturierte Einordnung, was Cloud bringt und was nicht, steht in unserem Leitfaden Argumente für und gegen Cloud-Computing.
Ich sage meinen Kunden immer: Machen Sie vor der Entscheidung für einen neuen Serverraum erst den ehrlichen TCO-Vergleich über fünf Jahre. Nicht nur CapEx gegen CapEx. Mit Personalanteil, Stromkosten, Ausfallrisiko und Opportunitätskosten. In 8 von 10 Fällen kommt dabei raus: Cloud + Colocation schlägt den eigenen Raum deutlich — und die IT-Abteilung hat plötzlich Zeit für Projekte, statt nachts Klima-Alarme zu quittieren.
5-Jahres-TCO: Rechenbeispiele für 5, 20 und 50 Server
Rechnungen machen es greifbar. Hier drei anonymisierte Szenarien aus unserer Hamburger Kundenbasis — aufgerundet, damit die Zahlen vergleichbar bleiben. Alle Beträge in Euro, 5 Jahre Laufzeit, inkl. Hardware-Refresh einmalig in Jahr 3.
Szenario A: 5 Server (kleines KMU, 20 Mitarbeiter)
| Option | Einmalig | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | Jahr 4 | Jahr 5 | 5-Jahres-TCO |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Eigener Serverraum | 45.000 | 18.000 | 18.000 | 35.000 | 18.000 | 18.000 | 152.000 € |
| Colocation (1/4 Rack) | 12.000 | 14.400 | 14.400 | 20.000 | 14.400 | 14.400 | 89.600 € |
| Cloud-First (Azure + M365) | 8.000 | 22.000 | 22.000 | 22.000 | 22.000 | 22.000 | 118.000 € |
Fazit 5-Server-Szenario: Colocation gewinnt deutlich. Cloud-First ist trotzdem oft die erste Wahl — weil das IT-Team frei wird für andere Aufgaben und weil bei nur 5 Servern die Cloud-Skalierbarkeit oft ungenutzt ist. Für das konkrete Szenario A war am Ende eine Hybrid-Lösung optimal: E-Mail, Dateiablage, Teams in der Cloud, ein ERP-Server in Colocation. 5-Jahres-TCO: 72.000 €.
Szenario B: 20 Server (mittleres KMU, 60 Mitarbeiter)
| Option | Einmalig | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | Jahr 4 | Jahr 5 | 5-Jahres-TCO |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Eigener Serverraum | 75.000 | 38.000 | 38.000 | 95.000 | 38.000 | 38.000 | 322.000 € |
| Colocation (1 Rack) | 18.000 | 38.400 | 38.400 | 75.000 | 38.400 | 38.400 | 246.600 € |
| Cloud-First | 25.000 | 72.000 | 72.000 | 72.000 | 72.000 | 72.000 | 385.000 € |
| Hybrid (Cloud + Colo) | 20.000 | 48.000 | 48.000 | 62.000 | 48.000 | 48.000 | 274.000 € |
Fazit 20-Server-Szenario: Colocation bleibt wirtschaftlich führend, Hybrid dicht dahinter. Eigener Serverraum ist bei ehrlicher Personalrechnung deutlich teurer — und bindet Kapital, das im Unternehmen besser investiert ist.
Szenario C: 50 Server (großes KMU, 120 Mitarbeiter)
| Option | Einmalig | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | Jahr 4 | Jahr 5 | 5-Jahres-TCO |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Eigener Serverraum (N+1) | 180.000 | 82.000 | 82.000 | 220.000 | 82.000 | 82.000 | 728.000 € |
| Colocation (2 Racks + Cage) | 42.000 | 82.000 | 82.000 | 160.000 | 82.000 | 82.000 | 530.000 € |
| Cloud-First | 65.000 | 170.000 | 170.000 | 170.000 | 170.000 | 170.000 | 915.000 € |
| Hybrid (Cloud + Colo) | 55.000 | 108.000 | 108.000 | 142.000 | 108.000 | 108.000 | 629.000 € |
Fazit 50-Server-Szenario: Bei dieser Größe lohnt ein eigener Raum mit N+1-Redundanz am ehesten — aber Colocation schlägt ihn trotzdem um fast 200.000 €. Cloud-Only ist hier teuer, weil die Workloads zu spezialisiert sind. Hybrid ist die Standard-Empfehlung.
Wichtig: Alle Zahlen sind Orientierungswerte. Ihr konkreter Fall kann deutlich abweichen — je nach Hardware-Alter, Anwendungsmix, Standort und Strompreis. Ein belastbarer TCO-Vergleich braucht eine Ist-Analyse, die wir in 2–3 Tagen im Unternehmen machen. Details zur Vorgehensweise in unserem Artikel zur IT-Infrastrukturanalyse in Hamburg.
Soft-Factors: Kontrolle, Latenz, Compliance, Skalierung
Die reine Kostenrechnung zeigt nicht alles. Geschäftsführer sollten vier weiche Faktoren bewusst bewerten:
- Kontrolle und Datenhoheit: Im eigenen Serverraum sehen Sie die Hardware — das schafft psychologisches Vertrauen. In der Praxis ist Cloud mit EU-Datenresidenz + verschlüsselten Verbindungen oft sicherer als ein nicht-zertifizierter Eigenbau. Datenhoheit ist eine juristische Frage, nicht eine physische.
- Latenz: Für E-Mail und Office irrelevant. Für Maschinensteuerung, lokale Videoschnitt-Workstations oder Echtzeit-Signalverarbeitung kann on-prem zwingend sein — Latenz unter 1 ms lässt sich mit Public Cloud nicht darstellen. Lösung: diese Workloads on-prem lassen, alles andere in die Cloud.
- Compliance und Zertifizierungen: DSGVO, ISO 27001, TISAX, KRITIS — ein zertifiziertes Rechenzentrum bringt viele Nachweise „ab Werk" mit. Der eigene Raum muss diese Nachweise selbst erbringen — mit hohem Audit-Aufwand.
- Skalierung: Ein eigener Raum ist unflexibel. Wenn Sie plötzlich 50 % mehr Leistung brauchen (Wachstum, Projekt, Saison), dauert Beschaffung 4–12 Wochen. In der Cloud oder Colocation geht das in 1–3 Tagen. Für dynamische Geschäftsmodelle ist das ein harter Vorteil.
- Ausfallsicherheit: Professionelles Rechenzentrum: typisch 99,982 % SLA (laut [Uptime Institute Tier III-Klassifikation](https://uptimeinstitute.com/tiers)). Eigener Serverraum ohne N+1: realistisch 99,5–99,8 %. Das entspricht 17–44 Stunden Ausfall pro Jahr zusätzlich — rechnen Sie die Kosten dafür dagegen.
- Cyber-Risiko: Ein eigener Raum braucht Patch-Management, Monitoring, Zutrittsprotokolle, Backup-Tests. Alles machbar — aber aufwendig. Ein [Managed Server im Rechenzentrum](/leistungen/server "Managed Server") bringt das als Paket mit. Siehe auch unseren Artikel zu [Serverraum-Vorschriften 2026](/it-insights/serverraeume-wichtige-vorschriften-fuer-ceos-kleiner-unternehmen "Serverraum Vorschriften 2026") für eine Übersicht der Pflichten.
Wir hatten 24 Jahre lang denselben IT-Dienstleister — bis er plötzlich Insolvenz angemeldet hat. Von einem Tag auf den anderen standen wir ohne Support da. Seitdem wissen wir: Man braucht einen Partner, der stabil aufgestellt ist — und eine Infrastruktur, die nicht von einer Firma abhängt.
Hybrid-Strategien: das Beste aus beiden Welten
In 7 von 10 Projekten endet unsere Analyse bei einer hybriden Lösung. Das heißt konkret: Was standardisierbar ist, geht in die Cloud. Was individuell und geschäftskritisch ist, bleibt in Colocation oder — seltener — im gut gemachten eigenen Raum. Die Übergänge sind fließend.
Typische Hybrid-Architektur für ein mittleres KMU (50–100 Mitarbeiter):
- Cloud (Microsoft 365 + Azure): E-Mail (Exchange Online), Dateien (SharePoint + OneDrive), Kommunikation (Teams + Teams Phone), Backup (Azure Blob), Endpoint-Management (Intune). Ca. 50–80 % der Workloads.
- Colocation / Managed Server: ERP, Warenwirtschaft, Fachsoftware, spezifische Datenbanken. Ein Rack im Hamburger Rechenzentrum, als [Managed Server](/leistungen/server "Managed Server") betrieben. Ca. 15–30 % der Workloads.
- On-prem (klein): Druckerserver, lokale Backup-Kopie (3-2-1-Regel), ggf. Maschinensteuerung. Ein kleines Rack im Technikraum, keine vollwertige Raumausstattung. Ca. 5–15 % der Workloads.
- Netzwerk-Anbindung: Redundante Internet-Anbindung zum Büro (Glasfaser + LTE-Backup), SD-WAN oder VPN-Mesh zur Verbindung aller Standorte und zum Rechenzentrum. Details in unserem Artikel zu [Optimale Serverraum-Ausstattung für KMU](/it-insights/optimale-serverraum-ausstattung-fuer-kleine-betriebe-anforderungen-und-loesungen "Serverraum Ausstattung 2026").
- Sicherheit: Einheitliche Identity-Management-Plattform (Entra ID / Azure AD), Conditional Access, MFA überall, zentrales Patch-Management. Der Schutz folgt den Nutzern, nicht dem physischen Ort.
Die Migration in eine solche Architektur dauert bei einem mittleren KMU typischerweise 4–8 Monate mit parallelem Betrieb. Wichtig ist ein klarer Plan für die Reihenfolge — wer zuerst Exchange migriert und dann den Dateiserver, sieht früh Erfolge und behält die Kontrolle.
Häufige Fehler bei der Entscheidung
Aus über 20 Jahren Praxis — das sind die Top-Fehler, die wir bei Geschäftsführern und IT-Leitern immer wieder sehen:
- Nur CapEx gegen CapEx vergleichen. Die größte Einzelposition eines eigenen Serverraums ist nicht die Hardware, sondern der Personalanteil — und der taucht in der Buchhaltung nicht als Serverraum-Kosten auf. Ehrliche Rechnung: Personal, Strom, Ausfallrisiko, Opportunitätskosten mit rein.
- „Wir haben ja schon den Raum." Stimmt selten. Der bestehende Raum hat oft keinen Doppelboden, keine Präzisionsklima, keine USV, keine Brandabschottung. Wenn Sie neu ausstatten, kostet das das Gleiche wie ein neuer Raum — aber mit schlechterer Geometrie.
- Strompreis ignorieren. Gewerbestrom in Hamburg liegt 2026 bei 28–35 ct/kWh. Ein Server mit 400 W Dauerlast frisst dabei 1.000–1.220 €/Jahr allein für Strom. Die Klima-Anlage nochmal 0,4–0,6 kW pro kW IT-Last. Das summiert sich.
- Cloud-Kosten statisch rechnen. Wer Azure-Preise aus dem Rechner auf 5 Jahre hochmultipliziert, ignoriert, dass Workloads optimiert werden können (Reserved Instances, Auto-Scaling, Storage-Tiers). Realistisch reduzieren sich Cloud-Kosten nach 12 Monaten Optimierung um 20–35 %.
- Migration unterschätzen. Eine saubere Migration kostet 15.000–60.000 € und dauert 3–8 Monate. Wer mit „das machen wir übers Wochenende" kalkuliert, zahlt doppelt — in Ausfallzeiten, verlorenen Daten und Überstunden.
- Lock-in nicht beachten. Sowohl eigene Hardware (abgeschrieben über 5+ Jahre) als auch bestimmte Cloud-Lock-ins (Azure-spezifische Services, die nicht portabel sind) binden Sie. Bei strategischen Entscheidungen Portabilität mitdenken.
- Ohne Dienstleister-Vergleich entscheiden. Colocation-Preise variieren in Hamburg um den Faktor 2–3 zwischen Anbietern, bei identischer Leistung. Mindestens 3 Angebote einholen — wir machen das in unseren Projekten standardmäßig und dokumentieren transparent.
Das Schlimmste, was Sie tun können: ein neues Rack kaufen, weil „wir schon immer einen Serverraum hatten", ohne die Alternativen ernsthaft zu prüfen. Wir haben Fälle gesehen, wo Unternehmen 60.000 € in neue Klimatisierung investiert haben — und drei Jahre später alles in die Cloud verlagert haben. 60.000 € Kapital, das anderswo gefehlt hat. Machen Sie vorher den ehrlichen Vergleich.
Checkliste: Serverraum Make-or-Buy-Entscheidung
Diese Liste gehen wir in jedem Erstgespräch durch. Wer die Antworten vorbereitet, spart im späteren Projekt Wochen:
- Anzahl Server und Rollen — Physisch und virtuell, mit Anwendung und Nutzeranzahl pro Server.
- Anwendungsmix — Welche Software läuft? Cloud-fähig, Fachsoftware, Legacy, Maschinensteuerung?
- Lastprofil — Durchschnitt, Spitzen, saisonale Muster, Wachstumsplanung für 3 Jahre.
- Strom-Ist-Messung — Tatsächlicher Verbrauch (kW Dauerlast) pro Rack, nicht Typenschild-Addition.
- SLA-Anforderungen — Welche Anwendung darf wie lange ausfallen? Pro Anwendung dokumentieren.
- Compliance-Anforderungen — DSGVO (ist klar), ISO 27001, TISAX, Branchen-Regeln (z.B. Gesundheitswesen)?
- Hardware-Alter und Support-Status — Was ist noch unter Wartung? Was läuft out-of-warranty?
- Personalsituation IT — Wie viel Zeit fließt heute in Serverraum-Themen? Was wäre dort sonst möglich?
- Kapitalsituation — Sind 80–200.000 € CapEx 2026 verfügbar? Oder ist OpEx (Cloud, Colocation) strategisch besser?
- Netzwerk-Anbindung — Welche Bandbreite hat Ihr Büro heute? Reicht das für Cloud-First? (Details im Leitfaden zur [Serverraum-Planung für KMU](/it-insights/die-wichtigsten-aspekte-bei-der-planung-eines-serverraums-fuer-kleine-unternehmen "Serverraum planen 2026").)
Was Sie heute tun können
Drei konkrete Schritte, die keine Investition brauchen und in dieser Woche umsetzbar sind:
- Strom-Ist-Messung starten. Schuko-Strommesser für 25 € in jedes Rack — und nach einer Woche die Zahlen ablesen. Sie werden überrascht sein, was wirklich läuft. Das ist die Basis jeder TCO-Rechnung.
- Anwendungs-Inventar erstellen. Liste aller Server mit Anwendung, Nutzeranzahl, Ausfall-Toleranz, Cloud-Fähigkeit. Eine Excel-Tabelle reicht. Nach dieser Arbeit wissen Sie, welche Workloads in welche Richtung wollen.
- Drei Kostenpfade grob rechnen. Eigener Raum weiter (Status quo), Colocation-Migration, Cloud-First — jeweils 5 Jahre. Ein grobes Excel reicht am Anfang. Details kommen dann in der Ist-Analyse.
Wer diese drei Schritte erledigt hat, ist bereit für ein belastbares Gespräch mit Dienstleistern — und wird nicht mehr mit Lösungen konfrontiert, sondern stellt die richtigen Fragen. Weitere Hinweise zur Vorbereitung im IT-Einkaufsführer 2026.
Fazit: Die Frage ist nicht „Cloud oder Serverraum?”, sondern „welcher Workload gehört wohin?”
Eine gute Infrastruktur-Entscheidung ist keine Glaubensfrage und keine Verkaufspräsentation. Sie ist ein belastbares Excel mit Zahlen, die man gegenüber dem Finanzvorstand verteidigen kann. Bei hagel IT betreuen wir Hamburger KMU mit exakt dieser Haltung: erst messen, dann rechnen, dann entscheiden. Und dann sauber umsetzen — mit Parallelbetrieb, Rollback-Plan und ehrlichen Zahlen. Wenn Sie vor einer Serverraum-Entscheidung stehen, sprechen Sie mit uns: das Erstgespräch ist kostenlos und dauert 15 Minuten. Danach wissen Sie, in welche Richtung es gehen sollte.
Serverraum erneuern oder auflösen? Wir rechnen ehrlich.
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