Inhalt in Kürze
- Broadcom hat das VMware-Lizenzmodell radikal umgestellt: weg von Einzelprodukten und Perpetual-Lizenzen, hin zu wenigen Abo-Bundles mit Mindestabnahme pro Kern. Für viele KMU bedeutet das spürbar höhere laufende Kosten.
- Es gibt vier ernstzunehmende Wege: auf Proxmox VE wechseln, auf Microsoft Hyper-V setzen, eine HCI-Plattform wie Nutanix nutzen oder Workloads ganz in die Cloud (Azure & Co.) verlagern.
- Die richtige Wahl hängt nicht am Preisschild allein: Workload-Profil, vorhandenes Know-how, Storage-Architektur, Compliance und der Aufwand der Migration entscheiden mit.
- Eine Migration ist Projektarbeit, kein Knopfdruck: Inventarisierung, Testumgebung, saubere VM-Konvertierung und ein belastbares Backup-/Rollback-Konzept sind Pflicht.
- Nicht überstürzen, aber auch nicht aussitzen: Wer die nächste VMware-Verlängerung clever timt und parallel eine Alternative testet, verschafft sich Verhandlungsspielraum und vermeidet Panik-Entscheidungen.
Was sich bei VMware durch Broadcom geändert hat
Seit Broadcom Ende 2023 VMware übernommen hat, ist beim Lizenzmodell kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Die wichtigsten Punkte sachlich zusammengefasst:
- Ende des Einzelverkaufs: Die klassischen Produkte (vSphere Standard, Enterprise Plus, vSAN einzeln usw.) wurden weitgehend in wenige Bundles überführt — im Kern „VMware vSphere Foundation” (VVF) und „VMware Cloud Foundation” (VCF).
- Abo statt Kauf: Dauerlizenzen (Perpetual) mit optionalem Support wurden durch reine Subscription-Modelle ersetzt. Wer aufhört zu zahlen, verliert das Nutzungsrecht.
- Abrechnung pro Kern (Core) statt pro CPU-Sockel, inzwischen mit einer Mindestabnahme von 72 Kernen pro Subscription. Gerade kleinere Hosts mit wenigen Kernen werden dadurch rechnerisch teurer, weil ein Mindestkontingent fällig wird.
- Auslaufende Programme: Das kostenlose ESXi (Free Hypervisor) wurde eingestellt, viele günstigere Einstiegspakete sind entfallen.
In der Praxis berichten Anwender und IT-Medien von deutlichen Kostensteigerungen bei der Verlängerung — je nach Ausgangslizenz und Hardware-Bestückung. Eine pauschale Prozentzahl ist seriös nicht nennbar, weil sie stark von Ihrem konkreten Vertrag, der Kern-Anzahl und dem alten Lizenztyp abhängt. Wir empfehlen daher, kein Renewal-Angebot ohne Vergleichsrechnung zu unterschreiben. Eine neutrale Einordnung zur Migrationsdiskussion liefert unter anderem die Berichterstattung von heise online.
Praxis-Hinweis: Prüfen Sie zuerst Ihre tatsächliche Kern-Anzahl über alle Hosts. Viele Unternehmen entdecken erst bei der Mindestabnahme von 72 Kernen, dass sie heute weniger lizenzieren als künftig bezahlen müssten.
Die ernstzunehmenden Alternativen im Überblick
Es gibt nicht „die eine” VMware-Alternative. Welche passt, hängt davon ab, was Sie heute betreiben und wohin Sie wollen.
Proxmox VE
Eine offene Virtualisierungsplattform auf Basis von KVM und LXC mit Web-Oberfläche. Kein Lizenzzwang — die Software ist frei nutzbar, kostenpflichtig ist nur das optionale Enterprise-Support-Repository. Proxmox bringt Cluster, Hochverfügbarkeit, Snapshots und mit Proxmox Backup Server eine eigene Backup-Lösung mit. Stark verbreitet bei KMU, die Kosten senken und Hersteller-Unabhängigkeit gewinnen wollen. Voraussetzung: etwas Linux-Affinität im Team oder ein Partner, der das übernimmt.
Microsoft Hyper-V
Der Hypervisor steckt bereits in Windows Server bzw. ist als Azure Stack HCI / Azure Local verfügbar. Für Unternehmen, die ohnehin stark im Microsoft-Universum unterwegs sind (Windows Server, Active Directory, Microsoft 365), oft der naheliegendste Weg — Lizenzen und Management-Werkzeuge sind teils schon vorhanden. Verwaltung über Windows Admin Center, System Center oder Azure. Grundlagen dokumentiert Microsoft selbst unter Microsoft Learn.
Nutanix
Eine hyperkonvergente Infrastruktur (HCI): Compute, Storage und Virtualisierung verschmelzen in einer Appliance-artigen Plattform mit dem eigenen Hypervisor AHV (lizenzfrei innerhalb der Plattform). Interessant, wenn Sie ohnehin Storage und Server gemeinsam erneuern und eine konsolidierte, gut skalierbare Plattform suchen. In der Regel die hochwertigere — und damit nicht die günstigste — Option, dafür mit komfortablem Betrieb.
Azure / Cloud-Migration
Statt eigene Hosts zu betreiben, verlagern Sie Workloads in die Cloud — als klassische VMs (IaaS), als „Lift & Shift” oder schrittweise modernisiert in Managed Services und PaaS. Das verschiebt Investitionen (CAPEX) hin zu laufenden Betriebskosten (OPEX) und entlastet von Hardware- und Hypervisor-Pflege. Sinnvoll bei schwankender Last, verteilten Standorten oder wenn ein Rechenzentrum ohnehin ansteht. Mehr dazu in unseren Cloud- und Azure-Leistungen.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Proxmox VE | Microsoft Hyper-V | Nutanix (AHV) | Azure / Cloud |
|---|---|---|---|---|
| Modell | Open Source + opt. Support-Abo | Teil von Windows Server / Azure Local | HCI-Plattform inkl. Hypervisor | Public Cloud (IaaS/PaaS) |
| Eigene Hardware nötig | Ja | Ja | Ja (HCI-Nodes) | Nein |
| Microsoft-Integration | Mittel | Sehr hoch | Mittel | Sehr hoch |
| Linux-Know-how nötig | Eher ja | Nein | Gering (Appliance) | Gering |
| Storage | Flexibel (ZFS, Ceph u. a.) | S2D / SAN | Integriert (HCI) | Cloud-Storage |
| Kostenmodell | Niedrig laufend, CAPEX HW | Lizenz vorhanden? | Höher, dafür konsolidiert | OPEX, nutzungsabhängig |
| Migrationsaufwand | Mittel | Mittel | Mittel–hoch | Hoch (Re-Plattformierung) |
| Typisch für | Kostenbewusste KMU | MS-zentrierte IT | Konsolidierung/Wachstum | Standortübergreifend, dynamisch |
Die Spalte „Kostenmodell” ist bewusst qualitativ gehalten: Belastbare Zahlen ergeben sich erst aus Ihrer konkreten Kern-Anzahl, Hardware und Workload-Last — alles andere wäre geraten.
Entscheidungskriterien für KMU
Bevor Sie eine Plattform auswählen, klären Sie diese Fragen:
- Workload-Profil: Wie viele VMs, welche Last, wie kritisch? Eine Handvoll Server stellt andere Anforderungen als 80 produktive VMs mit Hochverfügbarkeit.
- Vorhandenes Know-how: Ist Ihr Team Microsoft- oder Linux-affin? Die beste Plattform nützt wenig, wenn niemand sie sicher betreiben kann.
- Storage-Architektur: Nutzen Sie ein zentrales SAN, lokale Disks oder wollen Sie auf HCI umstellen? Das schränkt die sinnvollen Optionen früh ein.
- Hochverfügbarkeit & Backup: Welche Ausfallzeiten dürfen Sie sich leisten? Brauchen Sie Live-Migration, Cluster, georedundantes Backup?
- Compliance & Datenstandort: Für Steuerberater, Kanzleien, Medizintechnik oder Gesundheitswesen in Norddeutschland zählt, wo Daten liegen — bei Cloud-Migration ein zentrales Kriterium.
- Hardware-Lebenszyklus: Steht ohnehin eine Erneuerung an? Dann ist der Zeitpunkt für Nutanix oder Cloud günstig. Ist die Hardware neu, spricht das für Proxmox oder Hyper-V auf Bestandshardware.
- Vertrags-Timing: Wann läuft Ihre VMware-Subscription aus? Daran richtet sich der realistische Migrationszeitplan aus.
Praxis-Hinweis: Treffen Sie die Entscheidung nicht allein nach dem günstigsten Listenpreis. Die wahren Kosten stecken im Betrieb, in der Migration und im Risiko — nicht nur in der Lizenz.
Migrationsablauf und Fallstricke
Eine Plattform-Migration ist ein Projekt mit klaren Phasen. Bewährt hat sich dieser Ablauf:
- Inventarisierung: Alle Hosts, VMs, Netzwerke, Storage und Abhängigkeiten erfassen. Welche VM hängt an welcher Anwendung, welcher Lizenz, welchem Datenbestand?
- Zieldefinition: Plattform festlegen, HA- und Backup-Konzept entwerfen, Netzwerk und Storage planen.
- Testumgebung aufbauen: Erst eine Pilot-VM, dann unkritische Systeme migrieren — niemals direkt produktiv.
- Konvertierung: VMs übertragen. Die meisten Zielplattformen können VMware-Formate importieren oder konvertieren; entscheidend ist das saubere Anpassen von virtuellen Treibern, Netzwerkkarten und Gerätetreibern (z. B. VMware Tools entfernen, neue Gast-Treiber installieren).
- Validierung: Funktion, Performance und Erreichbarkeit jeder migrierten VM prüfen, bevor sie produktiv geht.
- Cutover & Nachlauf: Geplante Umschaltung in einem Wartungsfenster, alte Umgebung als Rückfallebene noch eine Weile behalten.
Die häufigsten Fallstricke:
- Treiber- und Tools-Reste: Nicht entfernte VMware Tools führen nach der Migration zu Boot- oder Netzwerkproblemen.
- Backup-Lücke: Ein Migrationsprojekt ohne aktuelles, getestetes Backup ist fahrlässig. Planen Sie ein Rollback ein, bevor Sie umschalten.
- Storage-Engpässe: Beim Umzug auf neue Storage-Architekturen (z. B. Ceph oder S2D) wird I/O-Last gern unterschätzt.
- Lizenz-Überraschungen bei Gastsystemen: Windows-Server- und Anwendungslizenzen können an Host-Eigenschaften gebunden sein — vor dem Umzug prüfen.
- Unterschätzter Schulungsbedarf: Eine neue Plattform bedeutet neues Tooling und neue Abläufe für das Team.
Für die saubere Umsetzung lohnt sich ein erfahrener Partner. Wir begleiten solche Wechsel im Rahmen unserer Server- und Virtualisierungsleistungen und betreiben Umgebungen anschließend auf Wunsch als Managed Service.
Häufige Fragen
Muss ich sofort von VMware weg? Nein. Solange Ihre Subscription läuft und das Angebot wirtschaftlich vertretbar ist, ist kein Hauruck nötig. Sinnvoll ist, frühzeitig eine Alternative zu testen und die nächste Verlängerung mit Vergleichszahlen zu verhandeln — so handeln Sie aus einer starken Position heraus.
Welche Alternative ist die günstigste? Bei den laufenden Lizenzkosten meist Proxmox VE, weil die Software frei ist und nur optionaler Support kostet. „Günstig” entscheidet sich aber im Gesamtbild aus Hardware, Migration, Betrieb und Know-how — nicht allein an der Lizenz.
Kann ich meine bestehenden VMs einfach übernehmen? In der Regel ja, aber nicht per Knopfdruck. Die Zielplattformen können VMware-VMs importieren oder konvertieren. Wichtig ist das saubere Entfernen der VMware Tools und das Anpassen der Treiber, sonst drohen Boot- und Netzwerkprobleme.
Lohnt sich gleich der Schritt in die Cloud statt auf einen neuen Hypervisor? Das hängt vom Workload ab. Bei schwankender Last, mehreren Standorten oder anstehender Hardware-Erneuerung kann Azure attraktiv sein. Bei stabiler, planbarer Last und vorhandener Hardware ist eine On-Premises-Alternative oft wirtschaftlicher.
Wie lange dauert eine Migration für ein KMU? Sehr unterschiedlich — von wenigen Tagen bei einer Handvoll VMs bis zu mehreren Wochen bei größeren, hochverfügbaren Umgebungen. Den größten Anteil machen Planung, Tests und Validierung aus, nicht das eigentliche Kopieren.
Fazit
Die Broadcom-Umstellung zwingt viele Unternehmen, ihre Virtualisierung neu zu denken — aber sie ist auch eine Chance, sich von einem teuren Lockin zu lösen. Mit Proxmox VE, Hyper-V, Nutanix und der Cloud stehen vier solide Wege offen, jeder mit eigenem Profil. Entscheidend ist, dass Sie die Wahl an Ihrem Workload, Ihrem Know-how und Ihrer Compliance ausrichten — nicht am erstbesten Listenpreis.
Unsere Empfehlung: Warten Sie nicht bis kurz vor der nächsten VMware-Verlängerung. Nehmen Sie jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme vor, rechnen Sie zwei bis drei Szenarien durch und testen Sie eine Alternative in Ruhe. Wenn Sie dabei Unterstützung möchten: Als inhabergeführtes IT-Systemhaus aus Hamburg begleiten wir Unternehmen in Hamburg, Bremen, Kiel und Lübeck durch genau solche Plattformwechsel — von der Analyse über die Migration bis zum laufenden Betrieb.
