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FortiClient: Funktionen, Einsatz und Alternativen für Unternehmen

Jens Hagel
Jens Hagel in IT-Insights
Das Wichtigste in Kürze: FortiClient ist der Endpoint-Agent von Fortinet für VPN, ZTNA, Endpoint Protection und Web-Filterung. Für Unternehmen entfaltet er seinen Nutzen erst mit FortiClient EMS (zentrales Management) und einer passenden FortiGate. Sinnvoll, wenn Sie bereits auf Fortinet setzen. Wer bei Null beginnt, sollte Alternativen wie WireGuard (VPN), Cloudflare Access (ZTNA) oder Microsoft Defender for Endpoint (EPP) mit vergleichen — oft ist der richtige Mix aus mehreren Anbietern günstiger und moderner.
Definition FortiClient (2026):

FortiClient ist die Endpoint-Security-Software von Fortinet — Kombination aus VPN-Client (IPSec, SSL), Endpoint Protection (Antivirus, EDR), Web-Filtering und Zero-Trust-Network-Access (ZTNA). Verwaltung zentral über FortiClient EMS (on-prem) oder FortiClient Cloud. 2026 Version: 7.4.x mit FortiSASE-Integration.

Inhalt in Kürze

  • FortiClient ist Fortinets Endpoint-Agent für Windows, macOS, Linux, iOS und Android — er bündelt VPN, Web-Filter, ZTNA-Client, Endpoint Protection und Telemetrie in einer Software.
  • Kostenlos vs. kostenpflichtig: Die Free-Variante bietet nur IPsec/SSL-VPN ohne Support und ohne zentrales Management. Business-Features (ZTNA, EPP, zentrales Rollout) laufen über FortiClient EMS als Subscription.
  • Stark in Fortinet-Landschaften: Wer FortiGate-Firewalls einsetzt, bekommt mit FortiClient eine integrierte Zero-Trust-Architektur. Standalone gibt es bessere, modernere Alternativen.
  • Praxis: In Hamburger KMU sehen wir FortiClient oft als VPN-Client-Altlast. Der Schritt zu ZTNA und EMS lohnt sich — oder man wechselt gleich die Plattform.

Wenn jemand bei uns als IT-Dienstleister aus Hamburg anruft und nach „FortiClient” fragt, kommen meist zwei Fragen: „Ist das gefährlich, wenn meine Leute den zu Hause installieren?” und „Brauche ich das überhaupt noch, oder gibt es bessere Lösungen?”. Beide Fragen sind berechtigt. FortiClient ist kein einfaches VPN-Tool, sondern ein vollwertiger Endpoint-Agent mit vielen Gesichtern — und genau das macht die Einordnung schwierig.

Was ist FortiClient?

FortiClient ist die Endpoint-Security-Software von Fortinet, dem US-amerikanischen Security-Hersteller, der auch die FortiGate-Firewalls baut. Sie läuft auf Endgeräten — Laptops, Desktops, Tablets, Smartphones — und übernimmt dort mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie stellt eine verschlüsselte VPN-Verbindung ins Unternehmensnetz her, schützt das Gerät vor Malware, filtert Webzugriffe und meldet den Gerätezustand (Betriebssystem, Patchlevel, AV-Status) an die zentrale Management-Konsole FortiClient EMS.

Laut Fortinet-Produktseite zu FortiClient ist der Agent heute Teil der sogenannten „Security Fabric” — Fortinets integriertem Sicherheits-Ökosystem aus Firewall, Endpoint, Cloud-Security und SIEM. Das ist der entscheidende Punkt: FortiClient ist kein standalone-Produkt, sondern eine Komponente einer größeren Plattform. Wer nur den VPN-Client isoliert einsetzt, schöpft nicht einmal 20 Prozent des Potenzials aus.

Wichtig:

Verwechseln Sie FortiClient nicht mit FortiGate. FortiGate ist die Firewall-Hardware (oder VM), FortiClient ist der Endpoint-Agent auf dem Laptop. Für den vollen Schutz brauchen Sie beide plus FortiClient EMS als Management-Server.

Die Komponenten von FortiClient

FortiClient bündelt mehrere Sicherheitsfunktionen in einer Software. Welche davon aktiv sind, hängt von der Lizenz und der EMS-Konfiguration ab.

KomponenteFunktionLizenz-Voraussetzung
VPN-ClientIPsec- und SSL-VPN zum FortiGate, Remote-Access für MitarbeiterFree-Version reicht
Endpoint Protection (EPP)Signaturbasierter Virenschutz, Anti-Exploit, Sandbox-IntegrationFortiClient EMS (EPP/APT Bundle)
Endpoint TelemetryGerätestatus, Compliance-Check, Reporting an EMSFortiClient EMS
Web FilterURL-Kategorie-Blocking, Phishing-Schutz auf Endgerät-EbeneFortiClient EMS
ZTNA-AgentApplikationsbezogener Zugriff über FortiGate als ZTNA-ProxyZTNA Bundle + FortiGate-Feature
Remote ManagementZentrale Konfiguration, Richtlinien-Push, QuarantäneFortiClient EMS

Die entscheidende Unterscheidung: FortiClient VPN (free) ist für einzelne Nutzer oder kleine Umgebungen gedacht. Sobald Sie mehr als fünf Endgeräte zentral verwalten oder Endpoint Protection aktivieren wollen, führt kein Weg an der kostenpflichtigen Lizenz vorbei. Das ist kein Bug, sondern Business-Modell.

Achtung bei der Free-Version:

FortiClient VPN (free) läuft ohne Support, ohne Updates im engeren Sinn und ohne zentrales Management. Für einzelne Remote-Arbeiter mag das reichen. In einem Unternehmen mit 20+ Endgeräten ist die Free-Version ein Compliance-Risiko — niemand sieht, ob der Agent aktuell ist oder überhaupt noch läuft.

FortiClient im Business-Einsatz

In der Praxis sehen wir FortiClient bei Hamburger Kunden in drei Konstellationen:

  1. Als reiner VPN-Client — meist Altlast aus Zeiten, als der IT-Dienstleister eine FortiGate aufgestellt und den passenden Client mitgegeben hat. Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass sie EMS dazubuchen könnten. Wer die Best Practices für Fortinet FortiGate noch nicht kennt, sollte dort anfangen.
  2. Als voll integrierte Fortinet-Landschaft — FortiGate am Perimeter (oft als FortiGate-Cluster für Hochverfügbarkeit), FortiClient EMS in der Cloud, FortiAnalyzer für Logs. Hier arbeitet der Agent so, wie er gedacht ist: als Sensor und Durchsetzungspunkt.
  3. Als Übergangslösung — das Unternehmen hat FortiClient im Einsatz, evaluiert aber Alternativen (ZTNA aus der Cloud, Defender for Endpoint, andere VPN-Lösungen).
Security-Team arbeitet mit FortiClient-Telemetrie und Endpoint-Events an mehreren Monitoren
Erst mit FortiClient EMS werden die Telemetrie-Daten der Endpunkte sichtbar — ohne zentrales Dashboard verpufft der Mehrwert gegenüber einer Free-Version.

Das BSI weist in seinem Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2025 explizit darauf hin, dass kompromittierte Endgeräte einer der häufigsten Einfallsvektoren für Ransomware-Angriffe im Mittelstand sind. Ein Endpoint-Agent ohne zentrales Management erkennt zwar den ersten Angriff, aber niemand bekommt es mit. Bei einem betreuten Kunden mit 40 Arbeitsplätzen haben wir im letzten Jahr drei Zwischenfälle gehabt, die erst durch die EMS-Telemetrie auffielen — ohne das Dashboard wäre das Ransomware-Payload wochenlang unentdeckt geblieben.

Die Krypto-Trojaner werden nicht sofort aktiv, die schlummern erstmal. Wenn Sie das Backup von letzter Woche zurückspielen, ist der da auch schon drauf. Deshalb reicht Endpoint-Schutz allein nicht — Sie brauchen die Historie, die Sie nur mit zentralem Management bekommen.

Jens Hagel Jens HagelGeschäftsführer, hagel IT-Services GmbH

Wenn Sie gerade prüfen, ob Ihre Endpoint-Strategie ausreicht, laden Sie sich unsere 20-Punkte-Checkliste herunter. Die Hälfte der Punkte betrifft direkt Endgeräte-Härtung und Remote-Access — zwei Bereiche, die FortiClient adressiert.

Installation und Konfiguration — Schritt für Schritt

Die saubere Installation von FortiClient folgt einem festen Muster. Wer einen davon überspringt, baut sich technische Schulden in die Landschaft.

  1. FortiClient EMS bereitstellen: Entweder on-premises als VM oder in der Fortinet-Cloud. Vor der Client-Verteilung muss der Management-Server laufen, sonst verteilen Sie „blinde" Agents.
  2. Zero-Touch-Deployment vorbereiten: MSI-Installer herunterladen, Konfigurations-XML aus EMS generieren. Bei uns läuft das Rollout über Microsoft Intune Autopilot — kein Admin läuft mehr mit USB-Stick durchs Büro.
  3. VPN-Gateway auf FortiGate konfigurieren: IPsec- oder SSL-VPN-Profil, Authentifizierung über LDAP/Entra ID, Zertifikate per PKI ausrollen. Ganz wichtig: Split-Tunneling bewusst setzen — nicht aus Versehen den gesamten Internet-Traffic durch die Firmenfirewall zwingen.
  4. Endpoint-Richtlinien in EMS anlegen: Welche Webkategorien blocken, welche AV-Signaturen, welche Compliance-Regeln (z.B. „nur Windows 11 mit BitLocker erlaubt"). Vorlagen nutzen, nicht bei Null anfangen.
  5. ZTNA-Integration aktivieren (optional): Wenn Sie Zero Trust ausrollen wollen, FortiGate als ZTNA-Proxy konfigurieren, Tags pro Nutzer und Gerät vergeben.
  6. Pilotgruppe testen: Erst 5-10 Nutzer aus verschiedenen Abteilungen, nicht gleich die Geschäftsleitung. Eine Woche Telemetrie sammeln, False Positives abklären.
  7. Rollout in Wellen: Nach Abteilung, nicht alphabetisch. Probleme in einer Welle lassen sich schneller eingrenzen als bei 150 gleichzeitig aktiven Endpunkten.
  8. Monitoring und Notfall-Prozess: Wer prüft täglich das EMS-Dashboard? Was passiert bei Warnmeldungen nachts um 2 Uhr? Wenn die Antwort „keiner" ist, fehlt der halbe Nutzen.
Tipp aus der Praxis:

Dokumentieren Sie vor dem Rollout, welche Webseiten im Hintergrund laufen (CRM-Cloud, Buchhaltung, Zeiterfassung). FortiClient-Web-Filter blocken sonst Ihre eigenen Business-Tools — und Sie suchen zwei Tage nach dem Fehler.

FortiClient vs. Alternativen — ehrlicher Vergleich

Der ehrliche Vergleich lohnt sich, weil der Markt sich bewegt hat. Was 2018 State-of-the-Art war, ist 2026 oft nur noch Mittelmaß.

LösungStärkenSchwächenWann sinnvoll?
FortiClient + EMSTiefe Integration mit FortiGate, ZTNA, EPP in einem Agent, starke Web-FilterNur sinnvoll mit Fortinet-Umgebung, Lizenzkosten bei vollem Bundle hochBestehende Fortinet-Landschaft, 50+ Endpunkte
Cisco Secure Client (AnyConnect)Enterprise-Standard, sehr stabil, gute macOS-UnterstützungTeuer, Fokus stark auf VPN, ZTNA erst über zusätzliche ProdukteBestandskunden mit Cisco-Firewalls/ASA
OpenVPNOpen Source, plattformunabhängig, große CommunityKein zentrales Management out-of-the-box, kein EPPKleine Umgebungen, technisch versierte Admins
WireGuardModernste Kryptografie, extrem schnell (3-10× OpenVPN), sehr schlanker CodeKein integriertes EPP, User-Management muss extern kommenPerformance-kritische Remote-Access-Szenarien
Cloudflare Access (ZTNA)Cloud-native, kein VPN-Tunnel mehr, Zero-Trust per DefaultAbhängig von Cloudflare-Stack, Latenz-Test nötigCloud-first-Unternehmen, keine Firewall-Bindung
Microsoft Entra Private AccessNahtlose M365-Integration, Conditional AccessFunktioniert nur im Microsoft-Stack, relativ jungUnternehmen mit Microsoft 365 E5 / Entra Suite
Microsoft Defender for EndpointTief integriert in Windows, AI-gestützte Erkennung, günstig via M365 E5Nur Endpoint, kein VPN oder Web-FilterMicrosoft-zentrische Umgebungen

Laut Gartner Peer Insights zu Secure Service Edge gehen die Top-Bewertungen in ZTNA aktuell an Cloud-native Anbieter wie Zscaler, Netskope und Cloudflare — nicht mehr an die klassischen Firewall-Hersteller. Das heißt nicht, dass FortiClient schlecht ist. Es heißt, dass der Markt sich von der Hardware-Firewall als Zentrum hin zu Cloud-ZTNA-Diensten verschiebt.

FortiClient vs. Cisco Secure Client (AnyConnect) — der Vergleich

Der häufigste 1:1-Wechsel in unseren Audits: bestehende Cisco-Secure-Client-Umgebung (früher AnyConnect) auf FortiClient umstellen — oder andersherum. Die kurze Gegenüberstellung für 2026:

KriteriumFortiClient 7.4 + EMSCisco Secure Client
Bindung an FirewallFortiGate (FortiOS 7.0+) als GegenstelleCisco ASA, Firepower oder Secure Firewall
VPN-ProtokolleIPSec, SSL-VPNSSL-VPN (TLS), IPsec/IKEv2
ZTNA-IntegrationNativ im Agent, FortiGate als ZTNA-ProxyCisco Secure Access (separates SSE-Produkt, Add-on)
EDR / Endpoint ProtectionEPP/APT-Bundle mit Sandbox, Telemetrie an EMSCisco Secure Endpoint (früher AMP, separate Lizenz)
SASE-StoryFortiSASE — eine Plattform für SWG, CASB, ZTNA, Firewall-as-a-ServiceCisco+ Secure Connect / Umbrella, mehr Einzelbausteine
LizenzmodellSubscription pro Endpunkt (ZTNA-Bundle / EPP-APT-Bundle)Premier / Apex Tiers, häufig im Enterprise-Agreement
Stabilität macOSSolide, in 7.4 deutlich verbessertSehr stabil, branchenweit Referenz
Wann sinnvoll?Fortinet-Stack vorhanden oder SASE-Migration geplantCisco-Bestand, hohe Anforderungen an Compliance-Reporting

Fazit: Wer FortiGate hat, bleibt mit FortiClient + EMS in einem Stack — inklusive klarem Pfad Richtung FortiSASE. Wer Cisco-Firewalls einsetzt, bekommt mit Secure Client eine stabilere reine VPN-Lösung, muss für ZTNA und EDR aber zusätzliche Produkte einkaufen. Beides ist legitim. Der teure Fehler ist, Tools aus zwei Stacks parallel zu betreiben — Lizenz-Doppelkosten plus Routing-Konflikte auf dem Endgerät.

Mitarbeiter arbeitet im Homeoffice am Laptop — VPN-Verbindung über FortiClient ins Unternehmensnetz
Klassischer Anwendungsfall: FortiClient VPN auf dem Laptop im Homeoffice. Moderne ZTNA-Lösungen ersetzen den Tunnel durch app-spezifische Proxies.

Wir hatten FortiClient fünf Jahre im Einsatz, weil unser damaliger Dienstleister das so eingerichtet hatte. Als wir NIS2 geprüft haben, fiel auf: Niemand bei uns hat den EMS-Server gepflegt. Jetzt machen wir ZTNA über eine Cloud-Lösung und Endpoint-Schutz über Defender. Einfacher, günstiger, besser.

Frank Schröder · Maschinenbau/Hydraulik, 35 Mitarbeiter

Zero Trust Network Access (ZTNA) mit FortiClient

Der spannendste Teil von FortiClient ist der ZTNA-Agent — und gleichzeitig der am seltensten aktiv genutzte. Statt dem klassischen VPN, bei dem der Nutzer „ins Netzwerk” kommt und dann auf alles zugreifen kann, funktioniert ZTNA anders: Der Client öffnet pro Anwendung einen eigenen verschlüsselten Tunnel zum FortiGate, der als ZTNA-Proxy arbeitet. Zugriff gibt es nur, wenn User-Identität, Geräte-Compliance und Kontext stimmen.

Das ist der Kern von Zero Trust: „Never trust, always verify”. Jeder Zugriff wird einzeln geprüft, nicht nur einmal beim Login.

85 %
der Großunternehmen setzen bis 2027 ZTNA ein (Gartner-Prognose)
3 Faktoren
User, Gerät, Kontext — prüft ZTNA pro Zugriff
0 Trust
Grundprinzip: Kein impliziter Vertrauensbereich mehr

ZTNA mit FortiClient funktioniert, wenn die Voraussetzungen stimmen: FortiGate mit aktuellem FortiOS (mindestens 7.0), FortiClient EMS, ZTNA-Lizenz auf beiden Seiten. Wer den Weg gehen will, sollte parallel unser Tool zur NIS2-Betroffenheit nutzen — die Anforderungen an Remote-Access sind dort explizit geregelt.

Wir haben bei einem Hamburger Architekturbüro im letzten Jahr den Wechsel von FortiClient-VPN auf ZTNA gemacht. Vorher: 120 Anwender, ein VPN-Tunnel, sobald wer drin war, hatte er Zugriff auf den gesamten Fileserver. Nachher: pro App ein eigener Tunnel, Geschäftsleitung sieht nur Projektdaten ihrer eigenen Projekte, Externe nur das, was sie wirklich brauchen. Der Aufwand war real — rund sechs Wochen Planung und Rollout. Der Sicherheitsgewinn ist messbar: Audit-Protokolle zeigen jeden einzelnen App-Zugriff.

Typische Fehler beim FortiClient-Rollout

  • Split-Tunneling falsch gesetzt. Entweder alles durch den Tunnel (Bandbreitenproblem) oder gar nichts (Sicherheitsproblem). Die richtige Mitte hängt von Ihrem Setup ab.
  • Zertifikate laufen aus. FortiClient-VPN bricht am Wochenende zusammen, keiner merkt es bis Montagmorgen. Automatisches Renewal und Monitoring einrichten.
  • Free-Version im Produktiveinsatz. Ohne EMS keine Telemetrie, keine zentrale Policy, kein Compliance-Nachweis. Unterm Strich teurer als die Lizenz.
  • Web-Filter zu streng. Mitarbeiter umgehen den Agent per Handy-Hotspot. Realistische Whitelist/Blacklist-Strategie statt „alles außer Google-Suche".
  • Fortigate-Lizenz reicht nicht für Userzahl. ZTNA-Lizenzen sind pro User/Gerät — wer 200 Endpunkte hat aber nur 50 Lizenzen, blockiert sich selbst.
  • Altlasten-Agents nicht deinstalliert. Zwei VPN-Clients gleichzeitig (z.B. Cisco + FortiClient) führen zu Routing-Konflikten, die niemand debuggen kann.
  • Kein Notfall-Plan für EMS-Ausfall. Wenn der Management-Server down ist, weiß niemand, ob die Endpunkte noch sauber sind.
Warnung:

Fortinet hatte 2023 und 2024 mehrere kritische Sicherheitslücken in FortiClient und FortiGate ([BSI-Warnung CB-K24/0001 zu FortiClient EMS](https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Abonnements/Warnmeldungen/CB-Abos/Technische-Warnungen/TW-Archiv/2024/TW-2024-0017.html "BSI-Warnung zu FortiClient EMS")). Wer Fortinet einsetzt, muss einen Patch-Management-Prozess haben — nicht „wir patchen quartalsweise". Sofortpatches binnen 72 Stunden sind Pflicht.

Checkliste: Ist FortiClient das Richtige für Sie?

  • Sie haben bereits FortiGate-Firewalls? Dann ist FortiClient + EMS oft die pragmatischste Wahl.
  • Sie starten bei Null mit Security? Vergleichen Sie — Microsoft Defender + Entra Private Access oder Cloudflare Access können günstiger sein.
  • Sie haben unter 20 Endgeräte? FortiClient EMS lohnt sich betriebswirtschaftlich oft nicht. Reines WireGuard + Defender reicht meist.
  • Sie sind NIS2-pflichtig? FortiClient allein reicht nicht — Sie brauchen dokumentierte Prozesse und zentrale Telemetrie. Prüfen Sie Ihre Betroffenheit mit unserem Check.
  • Sie wollen Zero Trust? ZTNA mit FortiClient funktioniert, aber Cloud-ZTNA (Cloudflare, Zscaler) ist oft moderner und schneller einzuführen.
  • Sie haben eigenes Security-Team? Ohne dediziertes Personal kein Business-Rollout. Sonst Managed Service nutzen.

Was Sie heute tun können

Wenn FortiClient bei Ihnen im Einsatz ist, lohnen sich drei konkrete Checks innerhalb der nächsten Woche:

  1. Lizenz-Status prüfen: Laufen Sie auf Free-Version oder mit EMS? Wenn ohne EMS — ist das bewusst so oder historisch gewachsen?
  2. Patchlevel prüfen: Welche FortiClient- und FortiGate-Version? Sind Sie auf dem aktuellen Build? Die Fortinet-Sicherheitsmeldungen der letzten 12 Monate durchgehen.
  3. ZTNA-Bereitschaft checken: Würde Ihre Firewall ZTNA technisch überhaupt unterstützen? Und wäre die Userzahl in den Lizenzen enthalten?

Wer keine Lust auf diese Recherche hat: Wir machen das regelmäßig im Rahmen unserer Cybersecurity-Beratung für Hamburger Unternehmen — in einem 60-Minuten-Audit wissen Sie, wo Sie stehen. Alternativ können Sie Firewall und Endpoint auch vollständig an uns auslagern: Unsere Managed Firewall kümmert sich um Patches, Policies und Monitoring zum Festpreis.

Fazit: FortiClient ist ein Werkzeug, keine Strategie

FortiClient ist ein solider Endpoint-Agent — wenn er ins Ökosystem passt. Für Unternehmen mit bestehender Fortinet-Landschaft und dedizierter IT ist er eine echte Option. Für alle anderen lohnt der Marktvergleich: Cloud-ZTNA-Lösungen sind oft schneller eingeführt, Microsoft Defender for Endpoint ist im M365 E5 schon enthalten.

Viele unserer Kunden in Hamburg gehen einen pragmatischen Weg: FortiGate bleibt als Firewall, aber Endpoint-Schutz und ZTNA kommen aus dem Microsoft-Stack. Den Tool-Wechsel begleiten wir über Managed IT Services oder — wenn eine interne IT da ist — über Co-Managed IT Services Hamburg.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht die Tool-Wahl. Es ist der Prozess dahinter: Wer patcht? Wer wertet Logs aus? Was passiert bei Alarm? Ohne diese Antworten ist FortiClient — wie jedes andere Tool — nur ein Pflaster auf der Wunde.

Das Wichtigste: FortiClient ist ein guter Endpoint-Agent für Fortinet-Landschaften. Ob er zu Ihnen passt, hängt weniger am Produkt als an Ihrer bestehenden Infrastruktur, Ihrem Team und Ihrer Security-Strategie. Ein ehrlicher Marktvergleich ist 2026 Pflicht — auch für Bestandskunden.

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Weiterführende Quellen

Jens Hagel
Gründer & Geschäftsführer, hagel IT-Services GmbH

Seit 2004 begleite ich Hamburger Unternehmen bei der IT-Modernisierung. Microsoft Solutions Partner, WatchGuard Gold Partner, ausgezeichnet als Deutschlands bester IT-Dienstleister 2026 (Brand eins/Statista). Wenn Sie IT-Fragen haben, bin ich direkt erreichbar.

Thorsten Eckel

«Mit Hagel IT haben wir einen erfahrenen Partner, auf den wir uns jederzeit zu 100 % verlassen können.»

Thorsten Eckel
Geschäftsführer · Hanse Service
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„Wir arbeiten seit einiger Zeit mit hagel IT zusammen und sind absolut zufrieden. Das Team ist kompetent, freundlich und immer schnell zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Besonders schätzen wir die individuelle Beratung, den zuverlässigen Support und die modernen IT-Lösungen, die perfekt auf unsere Bedürfnisse abgestimmt sind. Ein rundum professioneller Partner, den wir uneingeschränkt weiterempfehlen können!"

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Häufig gestellte Fragen

FortiClient ist die Endpoint-Security-Software von Fortinet — eine Kombination aus VPN-Client (IPsec, SSL), Endpoint Protection (Antivirus, EDR), Web-Filtering und Zero-Trust-Network-Access (ZTNA). Die Verwaltung läuft zentral über FortiClient EMS (on-prem) oder FortiClient Cloud. Aktuelle Version 2026: 7.4.x mit FortiSASE-Integration. Unternehmen nutzen ihn, um mobile Mitarbeiter sicher ins Netz zu holen, Endgeräte zu härten und Anwendungszugriff per Zero Trust zu steuern.

FortiClient VPN (free) ist für reines IPsec/SSL-VPN gratis, aber ohne Support, ohne EDR, ohne zentrales Management und ohne Web-Filter. Die kommerzielle Variante läuft als FortiClient-EMS-Subscription pro Endpunkt und Jahr — typischerweise als ZTNA-Bundle (VPN + ZTNA + Telemetrie) oder als EPP/APT-Bundle (zusätzlich EDR, Sandbox, Web-Filter). Erst mit EMS gibt es zentrales Rollout, Compliance-Reporting und durchgesetzte Richtlinien. Für Business-Einsatz ab ~20 Endpunkten führt kein Weg an der Lizenz vorbei.

FortiGate ist die Next-Generation Firewall (Hardware-Appliance oder VM) im Rechenzentrum oder an der Netzgrenze. FortiClient ist der Endpoint-Agent auf Laptops, PCs und Smartphones. Erst zusammen mit der zentralen Management-Konsole FortiClient EMS entfaltet sich der volle Nutzen — FortiGate + FortiClient + EMS bilden die Fortinet-Endpoint-Zero-Trust-Architektur.

Für reines VPN: WireGuard (modernste Krypto, sehr schnell), OpenVPN (bewährt), Cisco Secure Client (früher AnyConnect, Enterprise-Standard). Für ZTNA: Cloudflare Access, Zscaler Private Access, Microsoft Entra Private Access — Cloud-native und in Gartner Peer Insights 2026 vor den klassischen Firewall-Herstellern bewertet. Für Endpoint Protection / EDR: Microsoft Defender for Endpoint (in M365 E5 enthalten), SentinelOne, CrowdStrike Falcon. FortiClient ist stark, wenn Sie bereits auf Fortinet-Firewalls setzen oder FortiSASE als SASE-Plattform planen — sonst lohnt der Marktvergleich.

Ja. Der FortiClient-MSI-Installer lässt sich per Microsoft Intune, SCCM oder Gruppenrichtlinie verteilen. Die Konfiguration (VPN-Gateway, Zertifikate, Tunnel-Splits) kommt über ein XML-File oder direkt aus FortiClient EMS. In der Praxis empfehlen wir EMS — sonst müssen Richtlinien auf jedem Endgerät einzeln gepflegt werden.

FortiClient selbst ist kein Compliance-Produkt, sondern eine technische Schutzschicht. Für NIS2 brauchen Sie darüber hinaus dokumentierte Prozesse (Incident Response, Backup, Awareness). FortiClient deckt aber wesentliche Kontrollziele ab: verschlüsselte Remote-Verbindungen, Endpoint-Härtung, Telemetrie für Angriffserkennung. Prüfen Sie Ihre konkrete Betroffenheit mit unserem NIS2-Check.

Der ZTNA-Agent in FortiClient etabliert pro Anwendung einen verschlüsselten Tunnel zum FortiGate, der als ZTNA-Proxy arbeitet. Statt dem klassischen Netzwerk-VPN bekommt der Nutzer Zugriff nur auf definierte Apps — basierend auf User-Identität, Gerätestatus (OS-Patchlevel, AV-Status) und Kontext. Damit wandert Fortinet von der klassischen Perimeter-Sicherheit zu Zero Trust.

Die häufigsten Fehler: (1) Split-Tunneling falsch konfiguriert, sodass Traffic an der Firewall vorbeigeht. (2) FortiClient EMS nicht eingesetzt — jede Konfigurationsänderung muss manuell nachgezogen werden. (3) Zertifikate laufen aus, VPN bricht am Wochenende zusammen. (4) Web Filter zu streng — Mitarbeiter umgehen den Agent. (5) ZTNA aktiviert, aber FortiGate-Lizenz reicht nicht für die Userzahl.