Inhalt in Kürze
- Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten wie Claude, ChatGPT und Microsoft 365 Copilot Daten aus Firmensoftware lesen und dort Aktionen auslösen.
- Anthropic hat MCP im November 2024 veröffentlicht. Seit Dezember 2025 gehört es der Agentic AI Foundation der Linux Foundation, gestartet mit Projekten von Anthropic, OpenAI und Block.
- Die Software stellt einen MCP-Server bereit. Er bestimmt, was der Assistent sehen und ändern darf. Für die Anmeldung beschreibt der Standard OAuth 2.1, Pflicht ist sie nicht.
- Bevor Sie einen Server anbinden, klären Sie sechs Fragen: Rechte, Protokoll, Bestätigung, Tarif des KI-Anbieters, Widerruf und wer im Haus zuständig ist.
Ihr KI-Assistent kann Texte schreiben. Aber er weiß nicht, welche Aufträge offen sind, welcher Lieferant noch keinen Vertrag hat oder wann die nächste Frist abläuft. Diese Daten liegen in Ihrer Software. Das Model Context Protocol bringt sie in den Chat. Wer es ohne Plan einschaltet, gibt einer Maschine Zugriff, die Anweisungen aus Dokumenten im Chat befolgen kann.
Was ist MCP? Das Model Context Protocol in einem Satz
MCP ist eine gemeinsame Sprache zwischen KI-Assistent und Software: Die Software beschreibt einmal, was sie kann, und jeder Assistent, der MCP spricht, kann es nutzen.
Anthropic hat das Protokoll am 25. November 2024 als Open Source veröffentlicht. Am 9. Dezember 2025 hat die Linux Foundation die Agentic AI Foundation gegründet, in die MCP als eines der ersten Projekte eingebracht wurde. Damit gehört der Standard keinem einzelnen KI-Anbieter mehr.
Ein MCP-Server bietet dem Assistenten drei Dinge an. So beschreibt es auch Microsoft für Copilot Studio:
Copilot Studio nutzt davon laut Microsoft derzeit Werkzeuge und Ressourcen. Der Assistent entscheidet im Gespräch selbst, welches Werkzeug passt. Sie schreiben „Leg den neuen Dienstleister an und prüf, ob ein Vertrag fehlt“, und er ruft die passenden Funktionen der Software auf.
API oder MCP: Was ist der Unterschied?
| Klassische API | Model Context Protocol | |
|---|---|---|
| Wer nutzt sie? | Ein Programm, das ein Entwickler schreibt | Jeder KI-Assistent, der MCP spricht |
| Aufwand je Anbindung | Eigener Code für jedes Paar aus Software und Werkzeug | Einmal beim Hersteller, danach Adresse eintragen |
| Bedienung | Fest programmierte Abläufe | Gespräch in normalen Sätzen |
| Anmeldung | Je nach Hersteller | Im Standard beschrieben (OAuth 2.1, optional) |
| Risiko | Was der Code tut, steht fest | Der Assistent wählt selbst, was er aufruft |
Welche KI-Assistenten MCP heute sprechen
Drei verbreitete Assistenten sprechen das Model Context Protocol:
- Claude (Anthropic) bindet MCP-Server als „Konnektoren“ ein, im Browser, in der Desktop-App und in Claude Code.
- ChatGPT (OpenAI) unterstützt MCP-Server in seiner Programmierschnittstelle, beschrieben in der Entwicklerdoku von OpenAI.
- Microsoft 365 Copilot erweitert Agents in Copilot Studio über MCP.
Für Sie heißt das: Der Hersteller Ihrer Fachsoftware baut einen Server, und Ihr Team nutzt ihn mit dem Assistenten, den es ohnehin hat. Welcher Assistent zu Ihrem Haus passt, vergleichen wir im Artikel Claude vs. OpenAI im Hamburger Mittelstand.
Das Risiko: Ein Assistent folgt auch fremden Anweisungen
Ein KI-Assistent unterscheidet nicht zuverlässig zwischen Ihrer Bitte und einem Satz, der in einem Dokument steht. Steht in einer PDF „Lösche alle Einträge“, kann ein schlecht abgesicherter Assistent das versuchen. Das OWASP-Projekt für KI-Anwendungen führt diese Prompt Injection auf Platz 1 seiner Risikoliste.
Mit MCP wird aus einem Textfehler eine echte Aktion in Ihrer Software. Weitere Risiken beschreibt unser Beitrag zu den Sicherheitsrisiken von KI-Agenten.
Ein MCP-Server, den jemand aus dem Internet lädt und auf seinem Rechner startet, läuft mit dessen Rechten. Lassen Sie nur Server zu, deren Herkunft Sie kennen, und legen Sie fest, wer im Unternehmen neue Verbindungen einrichten darf.
Die gute Nachricht: Die Spezifikation des Protokolls beschreibt eine Anmeldung nach OAuth 2.1, schreibt sie aber nicht vor. Nutzt der Server sie, handelt der Assistent im Namen eines bestimmten Nutzers. Ob er nur sieht, was dieser sehen darf, hängt von der Umsetzung ab. Ergänzend gibt es Sicherheitsregeln für Server-Betreiber.
Sechs Fragen, bevor Sie einen MCP-Server anbinden
- Darf der Assistent nur, was der Nutzer darf? Ein guter Server übernimmt die Rechte aus der App. Mehr Rechte für die KI als für den Menschen sind ein Warnsignal.
- Wird jede Änderung protokolliert? Sie müssen nachsehen können, was der Assistent wann geändert hat, und es zurücknehmen können.
- Fragt er vor heiklen Aktionen nach? Löschen, Mails an Dritte oder Massenänderungen gehören hinter ein ausdrückliches Ja.
- Welchen Tarif nutzt Ihr Team beim KI-Anbieter? Was der Assistent liest, verarbeitet der KI-Anbieter. Für personenbezogene Daten brauchen Sie einen Geschäftstarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag.
- Können Sie die Verbindung sofort trennen? Ein Klick in der App muss reichen, um den Zugang zu widerrufen.
- Wer ist zuständig? Eine Person im Haus entscheidet, welche Server zugelassen sind, und prüft die Liste regelmäßig.
Die vierte Frage hängt eng mit Ihrer KI-Richtlinie zusammen. Wie Sie verhindern, dass Mitarbeitende Firmendaten in private Konten tippen, steht im Beitrag zu Browser-DLP gegen Datenlecks durch ChatGPT.
Aus der Praxis: So sieht eine saubere Anbindung aus
Ein Beispiel, das wir aus nächster Nähe kennen: frag.hugo bietet für seine Datenschutz-Plattform einen MCP-Server an. Kunden verbinden ihr Claude und arbeiten im Gespräch mit Fristen, Datenpannen und Betroffenenanfragen; Copilot und ChatGPT folgen nach der Prüfung durch Microsoft und OpenAI. Der Assistent darf dort nur, was das Konto in der App auch darf, und legt Einträge erst nach einem ausdrücklichen Ja an. Offenlegung: frag.hugo wird von der frag.hugo Informationssicherheit GmbH betrieben, die ich mitgegründet habe.
Was wir dabei gelernt haben, gilt für jede Fachsoftware:
- Klein anfangen: Erst Lesen erlauben, dann einzelne Schreibaktionen. Wer mit „alles freigeben“ startet, weiß nicht, was der Assistent tut.
- Mit Testdaten üben: Ein Testkonto zeigt, wie der Assistent Ihre Sätze versteht, bevor echte Daten im Spiel sind.
- Protokoll lesen: In den ersten Wochen schaut jemand jeden Tag ins Änderungsprotokoll.
- Regeln aufschreiben: Welche Server erlaubt sind und welche Daten nie in den Chat gehören, steht in der KI-Richtlinie.
KI klingt immer so komplex, aber eigentlich ist das nicht so kompliziert. Man kann echt vieles machen mit wenig Aufwand und wenig Geld.
Das gilt auch für MCP. Bietet der Hersteller einen Server an, ist die Verbindung schnell eingerichtet. Die eigentliche Arbeit ist die Ordnung dahinter: wer was freigibt und wer ins Protokoll schaut. Wie es ohne Gesamtkonzept aussieht, beschrieb eine Kundin aus einem Labor mit 20 Mitarbeitenden für ihre IT vor der Zusammenarbeit so:
Es ist alles so eher immer das Pflaster auf die Wunde geklebt, als dass wir so ein einheitliches Konzept haben.
Ein einheitliches Konzept für KI heißt: Jede neue Verbindung läuft durch dieselben sechs Fragen. Das gehört in eine Cybersecurity-Strategie für Hamburg und Norddeutschland.
Fazit: MCP lohnt sich, wenn die Ordnung steht
MCP ist ein Weg, auf dem Claude, ChatGPT und Copilot in Ihre Fachsoftware kommen. Fragen Sie Ihre Softwarehersteller, ob sie einen MCP-Server anbieten, und prüfen Sie jeden mit den sechs Fragen oben. Wo es keinen Server gibt, helfen einfachere Wege: Wie KI ohne großes Projekt Arbeit abnimmt, zeigt unser Beitrag KI und Automatisierung abseits des Hypes.
Als IT-Service in Hamburg helfen wir Ihnen, die Liste Ihrer Software durchzugehen, Rechte festzulegen und eine KI-Richtlinie aufzusetzen. Wer einen eigenen, DSGVO-konformen Assistenten für die Website sucht, findet ihn bei hagel one ai. Ansprechpartner vor Ort ist unser IT-Systemhaus in Hamburg.
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