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Hamburger Hafen mit Bürogebäude in der Abendsonne — Standort der untersuchten Betriebe

Hamburger IT-Sicherheits-Index 2026: Zwei von drei Firmen lassen Fälschungen durch

Jens Hagel
Jens Hagel in IT-Sicherheit

Inhalt in Kürze

  • 939 Hamburger Unternehmen wurden auf ihre öffentlich sichtbare IT-Hygiene geprüft — nur passive Abfragen, keine Scans.
  • Nur 37,5 % weisen gefälschte Mails in ihrem Namen tatsächlich ab.
  • 70,4 % haben DMARC eingerichtet — aber 47 % davon stehen auf „none” und lassen die Fälschung trotzdem zu.
  • Die Verschlüsselung ist kein Problem mehr: 92,4 % sprechen TLS 1.3, veraltete Versionen kamen praktisch nicht vor.
  • DNSSEC ist eines: 4,9 %.

Wir wollten eine Zahl wissen, die es für Hamburg nicht gab: Wie gut schützt die hiesige Wirtschaft eigentlich ihre eigene Mail-Absenderadresse?

Also haben wir gemessen. 939 Betriebe, ein Tag, ausschließlich Auskünfte, die jeder Mailserver und jeder Browser ohnehin abfragt.

Das Ergebnis ist eindeutiger als erwartet — und die interessante Lücke liegt nicht dort, wo man sie vermutet.

Die eine Zahl: 37,5 Prozent

Von den 864 Domains mit Mailempfang weisen 324 gefälschte Absender tatsächlich ab. Das sind 37,5 Prozent. Bei allen anderen kann ein Fremder eine Mail verschicken, die aussieht, als käme sie von der Geschäftsführung — und der Empfänger hat keine technische Möglichkeit, das zu erkennen.

37,5 %
weisen Fälschungen ab
70,4 %
haben DMARC eingerichtet
4,9 %
nutzen DNSSEC

Die eigentliche Lücke: „eingerichtet” ist nicht „wirksam”

Hier wird es interessant. 70,4 Prozent haben einen DMARC-Eintrag. Auf dem Papier sieht das ordentlich aus.

Nur: Ein DMARC-Eintrag kann auf drei Stufen stehen.

  1. none. Es passiert nichts. Der Empfänger schickt Berichte über Fälschungen, stellt sie aber zu. Gedacht als Zwischenschritt, um zu sehen, welche eigenen Systeme versenden.
  2. quarantine. Fälschungen landen im Spam-Ordner.
  3. reject. Fälschungen werden abgewiesen und kommen gar nicht erst an.

Von den 608 Hamburger Betrieben mit DMARC stehen 284 auf „none” — das sind 47 Prozent. Sie haben die Arbeit gemacht, den Eintrag gesetzt, vielleicht sogar Berichte eingerichtet. Und dann ist es liegen geblieben.

Das Wichtigste: Fast jeder zweite Hamburger DMARC-Eintrag steht auf Leerlauf. Der Eintrag existiert, kostet Aufmerksamkeit im Audit — und weist keine einzige Fälschung ab.

Warum das so oft hängen bleibt

Das ist kein Nachlässigkeitsproblem, sondern ein Ablaufproblem. Wer DMARC direkt auf „reject” stellt, ohne vorher zu wissen, welche Systeme im eigenen Namen versenden, blockiert seine eigene Rechnungsstellung.

Die Liste ist meist länger als gedacht: Warenwirtschaft, Newsletter-Werkzeug, Bewerberportal, Ticketsystem, das Buchhaltungsprogramm des Steuerberaters, die Terminbestätigung aus dem CRM. Jedes davon muss im SPF-Eintrag stehen, sonst fällt es beim Scharfschalten aus.

Also setzt man „none”, sammelt vier Wochen Berichte — und dann kommt etwas dazwischen. Genau an dieser Stelle bleiben 284 Hamburger Betriebe stehen.

Aus der Praxis:

Wir haben das mehrfach bei Übernahmen gesehen: DMARC steht seit zwei Jahren auf „none", die Berichte laufen in ein Postfach, das niemand öffnet. Die Scharfschaltung selbst dauert danach eine halbe Stunde — es fehlte nur der Termin, an dem jemand die Berichte einmal durchgeht.

Was überraschend gut aussieht

Nicht alles ist Alarm. Bei der Verschlüsselung der Website haben Hoster und Zertifikatsanbieter den Betrieben die Arbeit weitgehend abgenommen:

  • 92,4 % sprechen TLS 1.3, die aktuelle Fassung.
  • Veraltete Versionen (TLS 1.0/1.1) kamen praktisch nicht mehr vor. Das war vor fünf Jahren noch anders.
  • 92,9 % haben einen SPF-Eintrag. Die Grundlage ist da — sie ist nur bei knapp der Hälfte weich gestellt.

Das ist ein bemerkenswertes Muster: Wo eine Einstellung beim Anbieter liegt, ist sie meistens richtig. Wo sie im eigenen DNS liegt, bleibt sie oft halbfertig.

Was schlecht aussieht

DNSSEC: 4,9 Prozent. Ohne DNSSEC lässt sich die Namensauflösung einer Domain im Netz eines Angreifers auf einen fremden Server umbiegen. Bei den meisten Registraren ist es ein Schalter — genutzt wird er kaum. Die DENIC erklärt das Verfahren für .de-Domains und führt auch, wer es unterstützt.

MTA-STS: 2,8 Prozent. Damit lässt sich erzwingen, dass Mail an eine Domain nur verschlüsselt zugestellt wird. Ohne MTA-STS kann ein Angreifer die Verschlüsselung im Vorbeigehen abschalten, ohne dass es jemandem auffällt. Das BSI führt das Verfahren in seiner Richtlinie TR-03108 „Sicherer E-Mail-Transport”.

Alle vier Sicherheits-Kopfzeilen: 9,8 Prozent. Content-Security-Policy, X-Frame-Options, X-Content-Type-Options und Referrer-Policy kosten nichts und verhindern eine ganze Klasse von Angriffen über den Browser. Neun von zehn Hamburger Websites setzen nicht alle vier.

Aus der Praxis

Ob Sie 5 oder 500 Mitarbeiter haben — einem KI-gesteuerten Massenangriff ist das völlig egal. Die verschlüsseln Sie automatisiert, einfach weil sie können. Deshalb braucht heute jedes Unternehmen einen Grundschutz.

Jens Hagel Jens HagelGeschäftsführer, hagel IT-Services GmbH

Der praktische Schaden aus einer ungeschützten Absenderadresse ist selten Erpressung. Es ist eine Rechnung: Ein Angreifer schickt Ihrem Kunden eine Mail, die aussieht, als käme sie von Ihnen — mit geänderter Bankverbindung. Der Kunde zahlt. Das Geld ist weg, der Ärger bleibt bei Ihnen.

Wie wir gemessen haben — und was das nicht ist

Ehrlichkeit gehört zur Zahl dazu, sonst ist sie nicht zitierfähig.

Die Stichprobe stammt aus Wikidata (CC0): alle Objekte mit Sitz in Hamburg und offizieller Website, bereinigt um Behörden, Vereine, Medien, Hochschulen und Kultureinrichtungen sowie um Mehrfachnennungen. Übrig blieben 939 Domains.

Was das nicht ist: keine Zufallsstichprobe aus dem Handelsregister. Wikidata verzeichnet vor allem Betriebe, die groß oder bekannt genug für einen Eintrag sind. Die tatsächlichen Werte über alle Hamburger Betriebe dürften eher schlechter ausfallen als die hier gemessenen — nicht besser.

Gemessen wurde ausschließlich passiv: öffentliche DNS-Einträge und je Domain eine reguläre HTTPS-Verbindung zur Startseite. Keine Portscans, keine Schwachstellenprüfung, keine Anmeldeversuche. Kein einziges Unternehmen wird genannt, weder hier noch in den Rohdaten noch auf Nachfrage.

Die vollständige Methodik, alle Zahlen und die Daten als CSV zum Nachrechnen stehen auf der Seite zum Hamburger IT-Sicherheits-Index.

Prüfen Sie Ihre eigene Domain

Auf derselben Seite steht ein Selbsttest: Domain eingeben, Ergebnis sofort. Dieselben Prüfungen, ohne Anmeldung, ohne E-Mail-Adresse, ohne Speicherung.

Wenn dabei „DMARC auf none” herauskommt, ist das kein Grund zur Panik — aber ein Termin wert. Was zu tun ist, steht in unserem Beitrag DMARC erklärt.

Ihr nächster Schritt

Diese Erhebung wiederholen wir jedes Jahr mit derselben Abfrage. Eine Zeitreihe ist mehr wert als eine Momentaufnahme — erst sie zeigt, ob sich etwas bewegt.

Bis dahin: Der Selbsttest dauert zehn Sekunden. Wenn Ihre Domain zu den 62,5 Prozent gehört, die Fälschungen nicht abweisen, ist das in einer halben Stunde geändert — vorausgesetzt, jemand geht vorher die Liste der versendenden Systeme durch. Genau das machen wir für Hamburger Betriebe im Rahmen von Cybersecurity und Managed IT.

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Jens Hagel
Gründer & Geschäftsführer, hagel IT-Services GmbH

Seit 2004 begleite ich Hamburger Unternehmen bei der IT-Modernisierung. Microsoft Solutions Partner, WatchGuard Gold Partner, ausgezeichnet als Deutschlands bester IT-Dienstleister 2026 (Brand eins/Statista). Wenn Sie IT-Fragen haben, bin ich direkt erreichbar.

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Thorsten Eckel
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Robin Koppelmann
Sicherheit

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Verschlüsselung, Backup und Zwei-Faktor laufen im Hintergrund und werden monatlich geprüft. Fragt jemand nach — Versicherung, Kunde oder Behörde — haben Sie den Nachweis auf Knopfdruck.

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Häufig gestellte Fragen

939 Hamburger Unternehmen mit eigener Domain. Die Stichprobe stammt aus Wikidata (CC0): alle Objekte mit Sitz in Hamburg und offizieller Website, bereinigt um Behörden, Vereine, Medien, Hochschulen und Kultureinrichtungen.

Öffentliche DNS-Einträge (MX, SPF, DMARC, MTA-STS, TLS-RPT, DNSSEC) und je Domain eine reguläre HTTPS-Verbindung zur Startseite für TLS-Version, Zertifikat und Sicherheits-Kopfzeilen. Also genau das, was jeder Mailserver und jeder Browser ohnehin abfragt.

Nein. Veröffentlicht werden ausschließlich Gesamtzahlen. Kein Firmenname, keine Domain, kein Einzelergebnis — auch nicht auf Nachfrage. Untergruppen werden erst ab 25 Betrieben ausgewiesen.

Er erzeugt Berichte über gefälschte Mails, weist aber keine ab. Die Fälschung wird trotzdem zugestellt. „none“ ist als Zwischenschritt gedacht, um vor der Scharfschaltung zu prüfen, welche eigenen Systeme versenden — bei 47 Prozent der Hamburger Betriebe mit DMARC ist es der Endzustand geblieben.

Ein direkter Vergleich ist schwierig, weil andere Erhebungen andere Stichproben und andere Kriterien verwenden. Der Wert dieser Messung liegt in der Wiederholung: Dieselbe Abfrage im nächsten Jahr zeigt, ob sich etwas bewegt hat.